EM-Premiere im Halbfinale

Deutschland - Frankreich

Zum ersten Mal überhaupt treffen im Halbfinale von Marseille Deutschland und Frankreich bei einer EM aufeinander. Die Favoritenrolle will vor der Partie zumindest öffentlich keine der beiden Mannschaften annehmen.

„Sie sind Weltmeister. Sie sind der Favorit.“ So einfach sieht Frankreichs Mittelstürmer Olivier Giroud die Kräfteverhältnisse vor dem EM-Schlager zwischen Deutschland und Frankreich. Und er war bei Weitem nicht der einzige Spieler der Bleus, der dem Gegner auf der obligatorischen Pressekonferenz am Montag die Favoritenrolle zuschob. Auch Trainer Didier Deschamps hielt sich mit Kampfansagen zurück und sprach stattdessen seinen größten Respekt für das DFB-Team aus: „Deutschland ist Deutschland, es ist die beste Mannschaft der Welt“, betonte der ehemalige Nationalspieler und teilte seine Bewunderung für die technische Stärke und die Dominanz des Kontrahenten mit.

Die heimische Presse geht das erste EM-Duell überhaupt zwischen den beiden Teams deutlich offensiver an. Dort glaubt man aufgrund mehrerer Faktoren fest an den Sieg der Équipe Tricolore. Zum einen wäre der der Angriff um Antoine Griezmann. Er führt mit vier Treffern nicht nur die Torschützenliste an, sondern hat mit Olivier Giroud und Dimitri Payet (jeweils drei) noch zwei weitere brandgefährliche Mitspieler an seiner Seite. Hinzu kommen die Personalsorgen bei den Deutschen, die mit Mario Gómez, Sami Khedira und Mats Hummels auf mindestens drei Stammspieler verzichten müssen. Frankreich hingegen kann aus dem Vollen schöpfen – mit Kanté und Rami kehren zwei Gelbgesperrte sogar ins Team zurück.

Negative Bilanz gegen Frankreich

Nicht zu vergessen: die Historie zwischen den beiden Nationen. Frankreich gehört zu den wenigen Mannschaften, die eine positive Bilanz gegen Deutschland nachweisen können. In 27 Aufeinandertreffen konnte die DFB-Elf bei zwölf Niederlagen nur neunmal gewinnen. Besonders düster sieht die Statistik seit 1990 aus: Neun Duelle gab es seitdem, sechsmal verließen die Franzosen den Platz als Sieger. Das letzte Pflichtspiel entschieden jedoch die Deutschen für sich: 2014 gab es bei der Weltmeisterschaft in Brasilien einen knappen, aber verdienten 1:0-Erfolg – und später den Titel.

Ein gutes Omen also? Auf der Pressekonferenz jedenfalls taten es die DFB-Spieler und –Verantwortlichen dem Gegner gleich und wiesen die Favoritenrolle konsequent von sich. Schließlich hätten die Franzosen in Spielen gegen Irland oder Island noch nicht an die Leistungsgrenze gehen müssen und keine kräftezehrende Verlängerung gespielt. Ausreden aufgrund der Verletzungssorgen wollte man aber trotzdem nicht gelten lassen, wie der bislang glücklose Thomas Müller betonte: „So gut waren wir noch nie in der Breite aufgestellt, was die Qualität unserer Einzelspieler betrifft“, sieht er keine Probleme, die Ausfälle zu kompensieren.

Ausgeglichene Quoten

Favorit will vor dem Halbfinale in Marseille also niemand sein. Auch Experten und Wettanbieter sehen keines der beiden Teams klar im Vorteil. Die Quoten gestalten sich vor dem Duell der beiden großen Fußballnationen fast ausgeglichen. Nach wie vor gelten Deutschland und Frankreich in den Wettbüros als erste Anwärter auf den Titel. Während bei den meisten Anbietern beide Teams in der Langzeitwette exakt gleichauf liegen, sieht man bei Interwetten Deutschland als leichten Favoriten im Kampf um Europas Fußballkrone. Mit dem Titel könnte die DFB-Elf übrigens in einen elitären Kreis aufsteigen: Als amtierender Weltmeister gewannen bislang nur Frankreich (2000) und Spanien (2012) auch die Europameisterschaft.

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